Südpfalz 01. Apr 2025

Interview – „Ohne das Team steht alles still!“

David Morgner ist einer von zwei Oberbohrmeistern der beeindruckenden 2.500 PS starken Bohranlage V20, die am Vulcan-Standort Schleidberg, nahe des pfälzischen Landau, bis in Tiefen von 3.500 bis 4.000 Metern bohren soll. Doch seine Verantwortung geht weit über die Technik hinaus: Als Leiter der Bohrmannschaft von VERCANA führt er ein engagiertes Team von rund 40 Fachleuten, die gemeinsam daran arbeiten, eine der wertvollsten Ressourcen unserer Zeit zu erschließen – die Erdwärme. Dabei wird nicht nur die natürliche Wärme aus dem Untergrund genutzt, sondern auch Lithium aus dem Thermalwasser gewonnen, ein zunehmend wichtiger Rohstoff für die Energiewende. Inmitten der Klimakrise leistet ihre Arbeit einen entscheidenden Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft.

David, du leitest den Bohrplatz Schleidberg – kannst du dich kurz vorstellen?
David Morgner: Ich bin 37 Jahre alt, geboren und aufgewachsen bin ich im niedersächsischen Delmenhorst, nahe der Hansestadt Bremen. Meine Karriere begann 2008 in der Erdgas- und Erdölindustrie, wo ich auch meine Ausbildung als Mechatroniker bei ExxonMobil bis 2011 abgeschlossen habe. Danach wechselte ich in den Workover-Bohrbetrieb, wo ich bis 2012 angelernt wurde. Ursprünglich hatte ich vor, nach meinem Abitur als Mechatroniker zu arbeiten und anschließend Petroleum Engineering zu studieren. Doch dann bot mir die Firma einen alternativen Weg zum Bohrmeister an, was mich sehr reizte. Schon während meiner Ausbildung hatte ich erste Einblicke in den Bohrbetrieb, und ExxonMobil suchte damals nach Nachwuchskräften. So begann ich 2012 die Bohrmeisterschule in Celle und erlangte 2014 den Technikerabschluss. Zwischen 2020 und 2022 arbeitete ich auf der russischen Halbinsel Sachalin im Bohrbetrieb, sowohl Onshore als auch Offshore. Im Juli 2024 kam ich schließlich zu Vercana.

Hast du als Kind schon gerne im Sandkasten gebuddelt und gebohrt? 
David Morgner: Als Kind hatte ich keine speziellen Bohrambitionen, obwohl ich aus einer Bergbaufamilie stamme. Mein Großvater lebte in Castrop-Rauxel und war Leiter einer Kohlezeche, während mein Vater unter Tage als Elektriker arbeitete – eine fast schon traditionelle Berufslinie im Ruhrpott (lacht). Später entschied sich mein Vater jedoch für einen anderen Weg und studierte Elektrotechnik. Obwohl ich also aus einer Bergbaufamilie komme, habe ich meinen eigenen Weg gewählt und mich nicht von den Berufen meines Vaters oder Großvaters beeinflussen lassen. Alles, was ich erreicht habe, habe ich mir selbst erarbeitet.
Du hast erzählt, dass du eigentlich aus der Erdgas- und Ölbranche kommst. Was fasziniert dich persönlich an der Geothermie und warum hast du dich dazu entschieden in diesen Bereich zu wechseln?
David Morgner: Das Projekt bei Vulcan ist äußerst spannend und passt perfekt in die heutige Zeit, insbesondere mit der Nutzung von Tiefengeothermie zur Wärmegewinnung für ganze Quartiere und die Industrie. Besonders interessant ist die Kombination mit der Lithiumgewinnung. Das Lionheart-Projekt, das mehrere Bohrplätze umfasst, ist ein einzigartiger Teil einer Feldentwicklung – so etwas habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt. Technisch gibt es wenig Unterschied zwischen der Bohrung von Erdgas- oder Erdölquellen und einer Geothermiebohrung. Der größte Unterschied liegt darin, dass man bei Geothermiebohrungen bewusst in geologische Störungszonen bohrt, da diese hohe Fließraten und Fließgeschwindigkeiten bieten. Bei Erdgas- und Erdölbohrungen vermeidet man solche Zonen. Insgesamt ist das Projekt sehr spannend, und ich hoffe, mich durch die Herausforderungen auch persönlich weiterentwickeln zu können.

Erkläre mal in einfachen Worten, wie eine Bohrung aufgebaut ist. 
David Morgner: Bohrungen sind teleskopartig aufgebaut. Die größten Durchmesser beginnen dabei im oberen Bereich der Bohrung. Wir starten mit 26 Zoll. Dies entspricht etwa 66 Zentimetern. Dann geht es weiter mit einer 17,5 Zoll-Sektion. Danach gehen wir auf 12 ¼ Zoll und enden bei 8,5 Zoll im Lagerstättenbereich. Dies ist der Bereich, in dem die Bohrung die geologischen Schichten erreicht, in denen die geothermische Energie gespeichert ist. Der teleskopartige Aufbau ist technisch sinnvoll, da die höchsten Drücke unten auftreten, was zu höheren Fließraten führt. Um diese Strömungsenergie auf dem Weg nach oben nicht zu verlieren, haben die Bohrlöcher unten den kleinsten Durchmesser. Ein weiterer Vorteil des teleskopartigen Aufbaus ist die Stabilität des Bohrlochs, sodass es nicht kollabiert und es mehrere Barrieren bis zur Erdoberfläche gibt.

Welche Sicherheitsmaßnahmen ergreift ihr beim Bohren, um die Umwelt zu schützen? 
David Morgner: Eine Bohranlage ist ein komplexes System mit zwei Hauptsicherungen: der primären und der sekundären Bohrlochsicherung. Die primäre Sicherung nutzt die Bohrspülung, um einen hydrostatischen Gegendruck zu erzeugen, der das Bohrloch stabilisiert und ein Zusammenfallen verhindert. Die sekundäre Sicherung erfolgt durch einen sogenannten Blowout Preventer (BOP), der bei Druckanstiegen das Bohrloch schließt und so unkontrollierte Austritte von Gas oder Flüssigkeit verhindert. Zur Absicherung der grundwasserführenden Schichten setzen wir bis 150 Meter Tiefe eine Standrohrtour ein. Unsere erste Rohrtour hat einen Durchmesser von 20 Zoll. Sie wird auch Ankerrohrtour genannt. Auf ihr wird das sogenannte Wellhead installiert, welches entscheidend ist für die Absicherung der Bohrung während der Bohr- und Produktionsphase.

Du trägst eine Menge Verantwortung. Was gefällt dir am Job als Bohrmeister? 
David Morgner: Die täglichen Herausforderungen sind das, was den Job so spannend macht. Es gibt keine feste Routine, weil das Bohrloch die Aufgaben vorgibt. Natürlich kann man die Planung mit den richtigen Daten und Vergleichsbohrungen optimieren, aber selbst bei bester Vorbereitung gibt es immer unerwartete Herausforderungen. Genau das macht die Arbeit so abwechslungsreich und interessant. Man ist sowohl körperlich als auch geistig ständig gefordert. Das ist es, was diesen Job wirklich einzigartig macht.

Wie wichtig ist Teamarbeit in deinem Job?
David Morgner: Die Zusammenarbeit im Team ist entscheidend – ohne sie geht es nicht. Man arbeitet eng mit Fluid Engineers, Wellsite Engineers, den Toolpushern, Drillern sowie anderen Experten zusammen. Jeder ist ein wichtiger Bestandteil des großen Ganzen, wie ein Zahnrad in einem Uhrwerk. Wenn eine Komponente ausfällt, steht alles still. Deshalb ist Teamarbeit unerlässlich. Es geht nicht nur um den Oberbohrmeister, sondern darum, dass das gesamte Team gut funktioniert.
Abgesehen von der Arbeit am Bohrplatz – magst du uns erzählen, was du in deiner Freizeit machst, um dich zu erholen und neue Energie zu tanken?
David Morgner: „Ich bin schon seit meiner Kindheit ein absoluter Bergfan. Obwohl ich ursprünglich aus dem Flachland komme, habe ich mit drei Jahren das Skifahren gelernt – darauf bin ich sehr stolz (lacht). Heute lebe ich in den schönen Bergen und genieße die Natur in vollen Zügen. Im Winter bin ich oft auf der Skipiste, im Sommer fahre ich gerne Mountainbike und nehme sogar an Rennen teil. Außerdem bin ich viel in der Natur unterwegs und wandere gerne.

Herzlichen Dank, dass du dir Zeit für das Gespräch genommen hast!